Archiv für November 2009

Sizzla-Konzert ins Huxley’s verlegt – und wieder abgesagt

tagesspiegel artikel

Das geplante Konzert des homophoben Dancehall-Interpreten Miguel Collins („Sizzla“) ist am Donnerstag endgültig abgesagt worden. Aufgrund der massiven Proteste wurde das Konzert bereits im Kesselhaus abgesagt und sollte im Huxley’s stattfinden. Doch auch dort hat es nicht stattgefunden.

Es war ein Tag wie eine Achterbahnfahrt: Erst hieß es gestern Mittag, das Konzert des für seine schwulenfeindlichen Texte bekannten Reggae-Sängers Sizzla würde wie geplant im Kesselhaus stattfinden. Allerdings nur, wenn der Künstler – der in einigen seiner Lieder offen zum Mord an Schwulen aufruft – sich schriftlich verpflichten würde, eine Kampagne gegen Homophobie in seiner Heimat Jamaika zu finanzieren und aktiv zu unterstützen. Und wenn der 33-Jährige sich in einer öffentlichen Videobotschaft im Internet gegen Gewalt gegenüber Homosexuellen aussprechen würde.

Diese Forderungen waren nach massiven Protesten von Schwulenverbänden und Politikern gegen den Auftritt des eigentlich mit einem Schengen-Einreiseverbot belegten Sängers kurzfristig gemeinsam vom Kesselhaus, dem Künstlermanagement und dem Lesben- und Schwulenverband Deutschland, kurz LSVD, ausgearbeitet worden. Sizzla wollte jedoch nicht unterschreiben und soll dies am Nachmittag auf der Fahrt nach Berlin während eines Telefonats mit dem Geschäftsführer des Kesselhauses, Sören Birke, mit den Worten begründet haben: „Ich verstoße sonst gegen die Gesetze meines Landes.“

„Es ist nur folgerichtig, dass das Kesselhaus daraufhin den Auftritt abgesagt hat, und wir begrüßen diesen Schritt sehr“, sagte LSVD-Sprecher Klaus Jetz nach Bekanntgabe der Konzertabsage und fügte hinzu: „Doch es bleibt abzuwarten, ob der Künstler nicht einen anderen Ort in Berlin findet.“ Sizzla und sein Manager Klaus Maack seien nämlich dafür berüchtigt, „es immer wieder zu probieren“. Und tatsächlich: Kurz darauf wird bekannt, dass Sizzla am selben Abend im „Huxleys neue Welt“ in der Hasenheide auftreten soll. Bereits Donnerstagfrüh sei bei ihnen eine Anfrage des Londoner Veranstalters Pride Music International eingegangen – für den Auftritt eines nicht namentlich genannten Künstlers, erzählt Huxleys-Mitarbeiter Christoph Becker. „Und da der Vertrag zustande kam und rechtswirksam ist, kann er von uns nicht gebrochen werden“, so Becker. Doch zwei Stunden später sieht alles, wen wundert es noch, schon wieder ganz anders aus: Das Huxleys sagt Sizzlas Auftritt ab und distanziert sich auf seiner Homepage ausdrücklich vom Inhalt der Veranstaltung. „Ich kann nur vermuten, dass uns dies juristisch doch möglich ist, weil der Schaden für unser Haus unverhältnismäßig groß wäre“, sagt Becker auf Rückfrage des Tagesspiegels.

Doch nicht nur Veranstalter und Clubbetreiber mussten bei dem ganzen Hin und Her flexibel bleiben: Auch von den mehreren hundert Menschen, die einem Aufruf des Berliner Bündnisses „Smash Homophobia“ folgten und gegen Sizzlas möglichen Auftritt protestierten, erforderte der Tag Beweglichkeit: Zunächst war eine Demonstration von der Schönhauser Allee zum Kesselhaus geplant. Als der Auftritt dort abgesagt wurde, fand eine Kundgebung an der S-Bahnstation Schönhauser Allee statt, dann zog man weiter zur Eberswalder Straße, wo sich die Demonstration gegen 20 Uhr auflöste. Martin Sonnenburg von der Antifa Friedrichshain ist über das vorzeitige Ende sehr froh: „Unser Ziel ist erreicht. Sizzla hat in Berlin keine Plattform für seinen Schwulenhass gefunden.“

Mehr zum Thema unter: http://smashhomophobia.blogsport.de/.

Gestern wurde das Hausprojekt Brunnen183 von 6 Hundertschaften brutal am hellerlichten Tag geräumt.

Ihr bestimmt den Termin, wir den Preis!

Kommt alle zu den Demonstrationen. Wir wehren uns!!!

Kommt zum Warmup am 25.11.2009 um 20.00 Uhr am Kollwitzplatz
und zur Großdemonstrationen am 26.11.2009 um 20.00 am O-Platz.

Heute, Morgen, alle Tage- wir kämpfen weiter- keine Frage!

Das Hausprojekt Brunnen183 gehörte zu den bedrohten Hausprojekten in Berlin, genau wie die Liebig 14, Rigaer94 und der Schwarzer Kanal, kämpfte die Brunnen183 seit über 15 Jahren um den Erhalt der Freiräume.
Wir bleiben Alle!

Die Brunnen183 gab als Projekt Menschen unterschiedlichen Alters und aus vielen verschiedenen Ländern ein zu Hause. Sie sieht sich als soziales Wohn- und Kunstprojekt, dass auch durch den im Erdgeschoss angesiedelten Umsonstladen vielen Menschen und Nachbar/innen die Möglichkeit gab, materielle Güter ohne Geld auszutauschen und dadurch dem Verwertungszwang
etwas entgegenzusetzen.

Mit einem Großaufgebot von 600 Einsatzkräften räumte die Polizei, als Amtshilfe für den Gerichtsvollzieher das Haus. Neben Hundertschaften und Helikopter wurde auch das SEK bei der Räumung eingesetzt. Die gesamte Brunnenstraße wurde abgesperrt und auch in F-Hain und X-Berg war die grüne Armarda mehr als präsent. Solidaritätsbekundungen gab es trotzdem und wenige Minuten nach der Räumung fanden sich zahlreiche Aktivist/innen zur Unterstützung ein.

Trotzdem die Bewohner/innen bereit waren, dass Haus zu kaufen, verweigerte der neue Eigentümer sich einem Verkauf und wie schon üblich war auch keine wirkliche Unterstützung von politischer Seite zu erwarten. Verantwortlich für diese Räumung ist der nicht nur der Neubesitzer und Passauer Arzt der auf einem Räumungstitel bestand, sondern auch der Berliner Senat und sein Liegenschaftsfond, welche weder einem austausch, Ersatzobjekten noch einer politischen Lösung zustimmten. Jegliche Zugeständnisse und politische Bekundungen erweisen sich als leeres Gewäsch.

Nach der Studie gegen Linksextremismus und dem so genannten „runden Tische der Experten“, versucht die Berliner Polizei ihr Bild in der
Öffentlichkeit gerade zu rücken. So überfielen sie erst letzte Woche mit einem Großaufgebot die Liebigstr. 14 und 34. Und trotzdem, sind ihnen auch weiterhin Freiräume, die sich jenseits der kapitalistischen Verwertungslogik etablieren ein Dorn im Auge. Ob Rückzugsräume oder
Ausgangspunkte: unsere Freiräume werden wir verteidigen und uns nicht widerstandslos nehmen lassen!

Jede Räumung hat ihren Preis, welchen bestimmen wir!

Keine Bühne für homophobe Mord-Propaganda!

Smash Homophobia!

Keine Bühne für homophobe Mord-Propaganda!

Kein Sizzla-Konzert am 26.11.2009 in Berlin!

Am 26. November soll die Reggae-“Größe“ Sizzla in der Kulturbrauerei im Rahmen seiner Europa-Tournee auftreten. Sizzla ist bekannt für seine homosexuellenfeindlichen Texte. „Verbrennt die Männer, welche andere Männer von hinten reiten. Erschießt Perverse, meine große Pistole macht ,bumm‘“ heißt es u.a. in Sizzlas Song „Pump up“. Insgesamt 13 solcher „Battyman-Tunes“ hat er in seinem Repertoire. Amnesty International zitierte eine Aussage des Sängers bei einem Auftritt 2004 in Jamaika wie folgt: „Tötet sie, die Schwuchteln müssen durch Schüsse in den Kopf sterben.“

Wir können und wollen dieses Konzert nicht dulden. Kommt darum Zur Demo
und mobilisiert in euren Freundeskreisen.

Aufruf
Banner (zum verlinken)

Demonstration:
26. November 2009, 18.30 Uhr, S-Bhf. Schönhauser Allee

Infos:
http://smashhomophobia.blogsport.de/

Pressemitteilung / Offener Brief

An die Verantwortlichen im Kesselhaus:

Für den 26.11.2009 ist im Kesselhaus auf dem Gelände der Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg ein Konzert mit dem jamaikanischen Dancehall-„Künstler“ Sizzla angekündigt. Sizzla ist bekannt für seine homophoben, menschenverachtenden Songtexte, in denen er teilweise offen zum Mord an Homosexuellen aufruft. So singt er etwa im Song „To the point“ ins Deutsche übersetzt: „Lesben und Schwule, ich sage, tot sollen sie sein. Ich traue Babylon für keine Sekunde. Ich gehe und erschieß Schwule mit einer Waffe.“ Ähnliche Botschaften finden sich in mindestens einem Dutzend weiterer seiner Stücke. So ist es auch kaum verwunderlich, dass auch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften bereits einen seiner Tonträger mit dem Titel „Rastafari“ indiziert hat. Bereits im Mai 2008 wurde ihm auf Initiative des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland (LSVD) durch Eingreifen das Auswärtigen Amt der Bundesrepublik die Einreise in den Schengenraum verwehrt, woraufhin Sizzla mehr als ein Dutzend Konzerte in mehreren Ländern der Europäischen Union absagen musste. Nun hat die Stadt München, in der Sizzla bei der kommenden Tour ebenfalls auftreten soll, beim Auswärtigen Amt erneut Antrag auf Nichteinreise gestellt. Nicht nur in Europa, auch in Kanada und den USA ist es bereits nach Lautwerden zivilgesellschaftlichen Protests zu Konzertabsagen gekommen.

Zwar hat Sizzla im April 2007 den „Reggae Compassionate Act“ (RCA) unterzeichnet und sich damit dazu verpflichtet, in Zukunft keine homophoben Inhalte mehr von sich zu geben, doch hat er seine Zusage in keinster Form eingehalten. So hat er gegenüber jamaikanischen Medien wiederholt und vehement jede Unterzeichnung des RCA geleugnet. Bereits wenige Monate später beim Reggaefestival Summerjam in Köln gab er dann im Rahmen einer Pressekonferenz folgende homophobe Äußerung von sich: „Gründest du eine Familie,
erweist du deiner Mutter Respekt. Gehst du zu anderen Männern, ziehst du ihr Ansehen in den Schmutz… Ein Mann muss sich entscheiden, ob er ein Stück Dreck sein will oder ein stolzer Mann – so einfach ist das.“ Bei Konzerten der Europatour im selben Jahr standen zudem immer wieder Songs mit homophobem Inhalt auf dem Programm.

Sizzla kann also in keinem Fall als geläutert gelten und auch ist es unwahrscheinlich, dass er sich in Zukunft an irgendwelche schriftlich gegebenen Unterlassungserklärungen halten wird. Auf der laufenden Europatour sind bereits Konzerte in Hamburg und Italien ab gesagt worden. In Wuppertal und wie oben erwähnt in München gibt es bereits Proteste.

Wir fordern hiermit die Verantwortlichen im Kesselhaus dazu auf, das Konzert mit Sizzla am 26.11.2009 abzusagen und auch in Zukunft keine Konzerte mit als homophob bekannten Musikern zu buchen, was jedoch bisher leider immer wieder vorgekommen ist. Sollte das Konzert wider erwarten nicht abgesagt werden, wird am Abend des Konzerts eine von einem breiten Bündnis getragene, lautstarke Demonstration hin zum Veranstaltungsort geben. Zum Erschießen oder Verbrennen von homosexuellen Menschen aufzurufen ist keine Kunst und auch keine Meinung. Es ist ein Verbrechen! Musik, die zu Gewalt und Mord an Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung aufruft, darf keine Bühne geboten werden. Weder in Berlin noch anderswo!

Bündnis Smash Homophobia Berlin 2009

Diese Pressemitteilung wurde versandt an TAZ, Tagesspiegel, Berliner Zeitung, BZ, Berliner Morgenpost, Siegessäule, Jungle World, Junge Welt, Neues Deutschland, RBB, den Bund Lesbischer und Schwuler JournalistInnen und Dutzende mehr.

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