Archiv für November 2010

Redebeitrag einiger Bewohner_innen zur Silvio-Meier-Demo

-english version below-

Der Anlass der heutigen Demo ist das Gedenken an Silvio Meier und an alle Opfer von rechter Gewalt. Gerade an einem tag wie heute ist klar dass uns alle eins verbindet und das ist der Antifaschismus. Es ist die Überzeugung dass Deutschland das Problem war ist und bleibt. Und zwar auf allen Ebenen.
Denn: rechte gewalt und rassistische Übergriffe gehören in Deutschland zum Alltag genauso wie Rassistische Kontrollen und Polizeigewalt, Abschiebungen und Lagerunterbringung.
Nazis morden und der Staat schiebt ab.
Wir sind heute alle auf der Straße um dem etwas entgegenzusetzen.
Dabei finden wir es aber auch gut und richtig unsere eigenen Strukturen immer wieder kritisch zu hinterfragen.
Im Vorfeld dieser Demo wurde angekündigt, dass die erste Reihe von „weiblich sozialisierten Menschen“ übernommen werden soll. Diese Ankündigung hat zu vielen Diskussionen geführt. Unter anderem wurde kritisiert, dass die antifaschistische Demo für feministische Zwecke missbraucht würde. Unserer Ansicht nach widerspricht sich ein antifaschistischer Anspruch keineswegs mit einer kritischen antisexistischen Perspektive. Und diese Perspektive finden wir sowohl nach außen wichtig, wenn wir patriarchale Strukturen kritisieren, aber auch nach Innen das heisst in unsere eigenen Strukturen.
Es wäre schön, wenn wir es überwunden hätten Menschen immer noch in 2 Geschlechter einzuteilen. Heterosexismus und Dresscodes gehören aber auch in radikalen linken Strukturen leider immer noch zum Alltag und auch die Diskussion zur Frauenreihe wurde nicht konstruktiv geführt. Trotz der berechtigten Kritik an dem ausschließenden erste Reihe Konzept sollte die berechtigte Kritik an Sexismus in antifaschistischen Strukturen nicht einfach zur Seite gedrängt werden.
Auch in einer Demo und Diskussion zu Nazi Übergriffen sollte Raum sein über andere Machtverhältnisse nachzudenken. Dominantes Verhalten und Hierarchien in Strukturen schwächen uns alle – der antifaschistische Widerstand verliert dadurch an Kraft- eine Atmosphäre in der sich jede Person trauen könnte erste Reihe zu machen oder Redebeiträge zu halten würde uns alle stärker machen. Geschlechtliche Identitäten sollten dabei keine Rolle spielen, aber die Realität in den Strukturen darf auch nicht ausgeblendet werden. Wir alle sollten bei uns selbst hinterfragen wann und wie wir Sexismus und Rassismus reproduzieren.
Solidarität solllte keine leere Phrase bleiben – Kritik sollte uns nicht Spalten, sondern weiterbringen! Für einen gemeinsamen Kampf gegen faschismus auf allen Ebenen.

Nie wieder Faschismus, nie wieder Deutschland!

Speech by some inhabitants of Liebig34 for Silvio-Meier-Demonstration

The reason for this demonstration today is to commemorate Silvio Meier and all victims of right wing violence. Especially on a day like this we are united by one thing and that is antifascism. It is the conviction that Germany was, is and will be the problem. On all levels.
Right wing violence and racist attacks are part of everyday life in germany as well as racial profiling and police violence, deportation and refugee camps.
Nazis kill and the state deports…
We´re all on the streets today as a statement against fascism.
We also find it important to always reflect on our own structures as well.
In advance it was announced that the first line of the demonstration was to be done by „female socialised“ people. This has led to many discussions. One crticism stated that the antifascist demonstration is being misused for feminist ends. Inour opinion there is no contradiction between an antifascist claim and a critical antisexist perspective. And we find this perspective really important towards the outside, when we criticise patriarcal structures as well as on the inside- within our own structures.
It would be nice to be able to say that we have overcome the categorisation of people into two sexes/gender. Heterosexism and judging people by their physical appearance is still a common thing in left radical structures and also the discussion about the first line has not been very constructive.
Inspite of legitimate criticism of this marginalising concept we would have hoped that the criticism of sexist structures in antifascist structures wouldn´t just be pushed aside. Also in a demosntration against right wing violence there should be room to reflect about other kind of power structures. Dominant behaviour and hierachies in our structures makes us all weaker – antifascist resistance loses a lot of power. An atmosphere in which anyone would trust themselves to be in the first line or to hold a speech would make us all stronger. Gender identities should have nothing to do with that. But the reality in these structures should also not be denied. We should all reflect on when and how we ourselves reproduce sexism and racism.
Solidarity shouldn´t just be an empty phrase – criticism shouldn´t seperate us but help us to progress! For a united struggle against fascism on all levels.

Never again fascism! Never again germany!

12.11.2010 Soliparty für Liebig34: SUICIDE vs HOSPITAL

12.11.2010 Soliparty für Liebig 34: SUICIDE vs. HOSPITAL