Archiv der Kategorie 'Wir Bleiben Alle'

Eviction of Rigaer 94 Kadterschmiede and workshop for refugees housing: cynical political attack, Statement from Liebig 34

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This morning between 7:00 and 8:00 the cops went in to our neighbouring project Rigaer 94. Special forces again broke open their doors to enter the Cultural center/autonomous space of Kadterschmiede and the 94 workshop. They also entered the stairway and the attic. As far as we know, in a case that would be an exception for them, they stuck to their own rules and didn’t touch the flats. (However, they are still threatening to enter the flats and might in the future)

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Beside the cops, there were more or less 15 construction site workers and several security guards whose employer is unknown who also entered Rigaer 94. Compared to last time, they didn’t empty the coal cellar but are about to steal the complete inventory of Kadterschmiede cultural center. Besides the mentioned projects, also the attic of the front house is affected. Several people used to live in the attic. Their living place got evicted, and the people themselves got put out on the street.

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Statement from Hausverwaltung

The housing administration (Hausverwaltung) that manages 94 announced in a press release today that the ground floor (Erdgerschoss) would be converted into housing for refugees. It has been a part of our politics for a long time to build up structures to support refugees and to create a living space for them, including within our projects. The cops’ procedure this morning can only be regarded as an empty and cold strategic move. The Rigaer 94 collective already contains spaces in which refugees live by their own choice, the way they want to live. This autonomous space is being destroyed to create rooms which remove and disables the possibilities for autonomous lives of the people who are supposed to move in.The new living spaces will, in addition, be rented at the average renting price for Friedrichshain, which is around €15 per square meter.



Rigaer 94 is an autonomous space, in organised legitimate resistance against the system that created the refugee situation, a situation which they are now using as an excuse to eliminate our space. We will not stand down against these tactics. We are angry about what is going on in our neighbourhood. Today is Day X (Tag X). Go on the streets. Get creative.

- Read from the balcony of Liebig 34

Threat of Eviction of Radical Queer Wagonplace

Call for Rally – acute threat of eviction of Radical Queer Wagonplace KANAL

„Just recently we ONLY found out through the press that the senate and the districts of berlin together have published a list, of places where so called „MUF“ (modular shelter for refugees) should be built. The only place on this list where people are living, is our home in Kiefholzstraße 74. By building a lager they want to force us to leave. Until now there was no direct communication with us.

For two years BIM – Berlin grounds and houses company (that is maintaining and selling property of the state) is fighting against us and trying to make us sign a contract with racist paragraphs that forbids refugees, rrom_nja and people without papers or with Residenzpflicht to live at our place.

Radical queer wagonplace KANAL is not only our home but also a political project that is threatened with eviction right now. KANAL is a queer space with a majority of refugees, migrants, black people, rrom_nja and people of color who are together trying to live self-determined, based on the uncompromising fight against any kind of state power such as racism, classism, sexism, inter*trans* and homo discrimination.

On wednesday, feb 24th at 4.30 pm there is the general assembly of the Neukölln district politicians in Rathaus Neukölln. Let’s fight together in solidarity against this structural racist displacement policy! To not be replaced by a state run concentration camp that has mass deportation and privatisation as consequences. We won’t let them play us off against each other! We will gather at 4pm in front of Rathaus Neukölln to say NO!

Against concentration camps!
Against displacement!
Against deportation!
Defend self-determined living spaces!“

Where: Bürgeramt Rathaus Neukölln, Karl-Marx-Str. 83, 12040 Berlin (U7 Rathaus Neukölln)
When: Wednesday, 24.02.2016, from 4 pm

„Radical Queer Wagonplace KANAL“
Kiefholzstraße 74 12057 Berlin-Neukölln

***Stay in contact with us: kanal.squat.net
***Join our mailing list: kanal[at]squat.net

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„Vor kurzem haben wir ZUERST aus der Presse erfahren, dass der Senat in Kooperation mit den Bezirken eine Liste veröffentlicht hat, mit den Plänen auf dem von uns bewohnten Gelände an der Kiefholzstraße 74, eine sogenannte „MUF“ (Modulare Unterkünfte für Flüchtlinge) zu bauen um uns damit zu verdrängen. Bis jetzt hat keine Kommunikation mit uns stattgefunden.

Seit zwei Jahren kämpft BIM, – Berliner Immobiliengesellschaft, eine Firma die städtisches Eigentum verwaltet und verkauft, gegen uns und versucht uns zu zwingen einen Vertrag mit einer rassistischen Klausel zu unterschreiben, der es Geflüchteten, Rrom_nja und Menschen ohne gültigen Aufenthaltstitel oder Residenzpflicht untersagt sich auf dem Platz aufzuhalten.

Radikal Queerer Wagenplatz KANAL ist nicht nur unser Zuhause, sondern auch ein politischer Raum der akut von der Räumung bedroht ist. KANAL ist ein queerer Space mit mehrheitlich Geflüchteten, Migrant_innen, Schwarze Menschen, Rrom_nja und Menschen of Color, die versuchen zusammen ein selbst bestimmtes Leben zu führen, basierend auf dem kompromisslosen Kampf gegen jegliche Form von Gewalt und Machtausübung, so wie Rassismus, Klassismus, Sexismus, Inter* Trans* und Homo Diskriminierungen.

Am Mittwoch, 24.02 um 16:30, findet im Rathaus Neukölln die Bezirksvollversammlung statt. Lasst uns gemeinsam und solidarisch gegen diese strukturelle, rassistische Verdrängungspolitik kämpfen! Um uns nicht durch ein staatlich verwaltetes Massenlager zu ersetzen, dass nicht anderes als Massenabschiebungen und Privatisierung gleichzeitig zur Folge hat. Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen. Wir werden uns ab 16 Uhr uns vor dem Rathaus Neukölln versammeln um klar zu machen: Wir sagen NEIN!

Gegen Massenlager!
Gegen Verdrängung!
Gegen Abschiebung!
Selbst bestimmte Lebensräume verteidigen!“

Wo: Bürgeramt Rathaus Neukölln, Karl-Marx-Str. 83, 12040 Berlin (U7 Rathaus Neukölln)
Wann: Mittwoch 24.02.2016, ab 16 Uhr

„Radikal Queerer Wagenplatz KANAL“
Kiefholzstraße 74 12057 Berlin-Neukölln

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***Schließt euch an und tragt euch in unsere Mailing Liste ein: kanal[at]squat.net

Gedanken aus dem Herzen des Gefahrengebietes

Die Zeiten sind hart. Das sollte mittlerweile allen klar sein, die nicht die Augen verschließen. Verschließen vor den tagtäglichen Angriffen auf Unterkünfte von Asylsuchenden und dem Erstarken der deutschnationalen Scheiße, vorangetrieben durch Pegida und Co. und der Vernetzung des gesellschaftlichen Extremismus der Mitte mit faschistischen Kameradschaften. Die Diskussionen um die Ereignisse von Köln haben erneut die rassistischen und nationalistischen Strukturen aufgezeigt, anhand derer Sexismus ethnisiert und die eigene Rape Culture auf das Fremde projiziert wird. Als Frauen gelesene Menschen werden – mal wieder – zu passiven Objekten gemacht, die es zu beschützen gilt und weiße deutsche Männer schwingen sich auf zu Verteidigern der Gleichberechtigung. Eine gesellschaftliche Debatte über das Patriarchat als systemimmanente Struktur findet nicht statt.

Es reicht! Sexismus und Rassismus sind miteinander verschränkte Unterdrückungsverhältnisse, die das Funktionieren der kapitalistischen Gesellschaft bedingen. Diese Zustände werden durch das staatliche Gewaltmonopol am Leben erhalten – Staat und Nazis; eine glückselige Liäson.

Wir schreiben aus der Perspektive eines Hauskollektivs, dass sich die Aufgabe gestellt hat, queer und anarcha-feministisch miteinander leben zu wollen. Das bedeutet für uns unter anderem, dass wir separatistisch leben, also uns ohne Cis-Männer organisieren und zusammenwohnen. Die Vorsilbe „Cis“ bedeutet, dass sich eine Person mit dem Geschlecht identifiziert, welches ihr bei der Geburt zugeschrieben wurde. Es wird benutzt, damit „cis“ und „trans“ nebeneinander stehen können und nicht das eine als das „Normale“ gehandelt wird und das andere nicht. Unser Haus ist ein Schutzraum vor sexualisierter/ geschlechtsbezogener Gewalt und wir arbeiten daran, Supportstrukturen füreinander zu stellen, uns gegenseitig und selbst zu empowern und Mut zu machen. Wir denken, dass es Räume braucht, in denen wir das kollektive Leben ausprobieren, Geschlechter und Identitäten verschieben, anti-patriarchale Strukturen ausbauen und anwenden, uns mit eigenen Machtstrukturen und Privilegien auseinandersetzen und gemeinsam gestärkt daraus hervorgehen können.

Außerdem schreiben wir aus dem Herzen des Gefahrengebietes im Nordkiez von Friedrichshain. Direkt am Dorfplatz (Rigaer Str. / Liebigstr.) erleben wir seit Herbst 2015 und besonders in diesem Januar massive Angriffe der Bullen und Politik auf unsere selbstorganisierten und rebellischen Strukturen. Diese Angriffe sollen genau die treffen, die sich gegen die gesellschaftlichen Zustände zur Wehr setzen. Genau die, die sich dafür entscheiden, solidarische Wege des Zusammenlebens zu suchen und ein Stachel im Prozess der Gentrifizierung sind. Dass die Spirale der Verwertung sich ständig höher schraubt, wird in der direkten Umgebung spürbar. Sei es die Bebauung der ehemaligen Freifläche Bambiland, die Errichtung unzähliger Townhouses auf dem alten Schlachthofgelände nördlich der Eldenaer Straße oder der Plan, das Gelände der alten Möbelfabrik in der Rigaer Straße 71-73 mit teuren Wohnungen und einem Hotel zu bebauen. Es sind nur einige der unzähligen Beispiele für die Stadt im Kapitalismus.

In dem Gebiet um die Rigaer Straße soll der Prozess der Verdrängung mithilfe des Bullenknüppels beschleunigt werden. Damit stehen wir nicht alleine da. Zusammen mit den Gefahrengebieten rund um die Revaler Straße und dem Görlitzer Park gilt fast für den gesamten Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg der polizeiliche Ausnahmezustand. Berlinweit gibt es um die zwanzig Gefahrengebiete, die von der Staatsmacht beschlossen werden können, ohne öffentlich gemacht zu werden. Sie werden überall dort eingerichtet, wo noch nicht alles stramm nach den Regeln staatlicher Kontrolle funktioniert, sich derer (noch) entzogen wird oder sich Möglichkeiten des Arbeitens und (Über-)Lebens gesucht werden. Seien es Wohnungslose, Drogenkonsument*innen, Dealer*innen, Sexarbeiter*innen oder andere, die nicht ins Bild passen – sie werden durch ständige Bullenpräsenz, Zubetonierung öffentlicher Parks und Schikanen versucht zu vertreiben.

Die Schikanen auf der Straße bedrohen besonders People of Colour, Menschen, die sich nicht einem der binären Gender zuordnen oder nicht dem, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, Menschen ohne Papiere und diejenigen, die kein Deutsch sprechen. Aber auch die, die in den Karteien der Bullen schon ein Dorn im Auge des Drecksstaates sind. Wir sollen uns an Repression, Kontrolle und Überwachung gewöhnen. Es wird versucht, den Bullenstaat zum geduldeten Normalzustand zu machen. Zusammen mit medialer Hetze soll ein Klima der Angst geschaffen und ein Keil in die Vernetzung im Kiez getrieben werden. Wir lassen uns nicht einschüchtern!

Wir verstehen diesen Kiez als ein Projekt, einen Raum zu schaffen, in dem sich Nachbar*innen auf der Straße austauschen, die genannte deutschnationale Scheiße keinen Platz findet und wir uns gegen Verdrängung wehren. In den letzten Monaten ist die Nachbarschaft, statt sich auseinandertreiben zu lassen, stärker zusammengewachsen. Das hat uns gezeigt, dass Solidarität kein hohles Wort ist.

Wir müssen unsere Kämpfe weiter miteinander verknüpfen. So wie unser Haus darf auch der Rigaerkiez keine Insel des Selbstzwecks sein. Sondern Räume, aus denen wir selbstermächtigt die Verhältnisse angreifen und schließlich für eine Welt kämpfen, in der das binäre Geschlechtersystem und alle Unterdrückungsverhältnisse aufgehoben werden.

Dass widerständige antifaschistische Strukturen zerschlagen werden sollen, während rechte Übergriffe nicht verfolgt werden, kann nicht als lapidares „die Justiz ist auf dem rechten Auge blind“ abgetan werden, sondern muss als ein Angriff auf den Kampf für die Freiheit verstanden werden! Wir sind bereit zu kämpfen!

Dass als Frauen gelesene Menschen in eine Rolle der Passivität und Hilflosigkeit gedrängt werden, macht uns wütend! Wir lassen uns nicht instrumentalisieren, sondern sind selbstbestimmte Akteur*innen in einem feministischen Kampf, der untrennbar mit dem Kampf gegen Kapital, faschistische und rassistische Ideologien verknüpft ist!

Wir solidarisieren uns mit allen antiautoritären & emanzipatorischen Kämpfen!
Heute sind unsere Gedanken bei den Menschen, die sich militant gegen die Räumung der Luftschlossfabrik in Flensburg gewehrt haben.

Geht mit uns am Samstag, den 06.02.2016 für rebellische Kieze und solidarische Strukturen auf die Straße! Stellt euch den Nazis, ob in Weimar, Dresden, Berlin oder sonstwo und reaktionären Arschlöchern in den Weg, die am gleichen Tag ihre menschenverachtenden Ideologien verbreiten wollen!

Unsere Leidenschaft für Freiheit ist stärker als jede Autorität!
Eure Liebig 34

Zu dem Bullenangriff auf die Rigaer 94 und unser Haus

Am Abend des 13.01.2016 stürmte ein massives Aufgebot mehrerer Hundertschaften mit SEK, technischen Einheiten, Hundestaffel und Helikopter die Rigaer94, die sich in unserer unmittelbaren Nachbarschaft befindet. Wir fühlen uns mit den Bewohner*innen im gemeinsamen Widerstand in diesem rebellischen Kiez sehr verbunden.

Die Bullen wendeten massive Gewalt an, um in einer Vergeltungsaktion in das Haus einzudringen. Dies geschah ohne Durchsuchungsbefehl und steht im Kontext des aktuell ausgerufenen Gefahrengebietes für den Friedrichshainer Nordkiez. Dabei wurden mehrere Personen verletzt und nicht nur der Eingangsbereich und das Treppenhaus, sondern auch Privaträume verwüstet, vollgepisst und erheblich beschädigt. Während dieser Aktion war das Gebiet rund um die Rigaer94 und den Dorfplatz (die Kreuzung Liebigstr./Rigaerstr.) hermetisch abgeriegelt.

Auch wir konnten uns nicht mehr frei bewegen. Um uns trotzdem solidarisch mit unseren Nachbar*innen zu zeigen und die Menschen auf der Straße auf das Geschehen aufmerksam zu machen, wurde aus unserem Haus heraus der Straßenzug mit lauter Musik beschallt. Nach mehreren Stunden verschafften sich die Bullen über eine Leiter und eine Hebebühne Zutritt zum 1.Stock und schlugen die Balkontüren ein. Sie beschlagnahmten die Musikanlage und alle weiteren Musikboxen, die sich in der Wohnung befanden. Außerdem hinderten sie uns daran die Wohnung zu betreten, indem sie die Türen zuschlugen und uns jegliche Aussage zu ihrem Handeln verweigerten. Anscheinend war das alles, was sie bei uns wollten. Sie machten keine Anstalten, weiter in das Haus vorzudringen. Nach ca. einer halben Stunde war dieser organisierte Überfall vorbei. Das einzige was die wehrten Beamt*innen zurück ließen war ein Papierfetzen mit einer Notiz, dass wir wohl noch eine Strafanzeige erhalten werden.

Wir als Liebig 34 solidarisieren uns mit der Rigaer 94 und allen anderen kämpfenden Projekten! Den Annahmen der Berliner Politik und ihren Handlanger*innen, dass sie es schaffen uns und den rebellischen Nordkiez zu befrieden, können wir nur entgegnen: Wir werden niemals aufgeben! Wir wissen, dass ein Leben ohne Staat & Kapital möglich ist und werden alles daran setzen, dieses Leben zu erreichen. United we stay!

Kommt zur Demo am 06.02. durch den Nord- und Südkiez! Jetzt erst recht!

Pressekonferenz zur Polizeimaßnahme #Rigaer94 14.01. from R.E. on Vimeo.

Pressekonferenz 14.01.2016- Rigaer94 – von den Polizeiübergriffen betroffene Mutter spricht from R.E. on Vimeo.

Rebellische Strukturen verteidigen – Solidarische Kieze schaffen: Demo am 6.2.2016

Berlin-Friedrichshain im Jahr 2015: Seit November ist es amtlich: der Friedrichshainer Nordkiez ist ein Gefahrengebiet. Die Berliner Autoritäten in Politik und Polizei müssen nach Jahren des unermüdlichen Kampfes endlich ihre Bemühungen aufgeben, die Verhältnisse schön zu reden. Während sie im geförderten Sanierungsgebiet über Jahre erfolgreich versuchten, Investor*innen mit fetten Gewinnversprechen anzulocken, müssen sie nun zugeben, dass die Menschen, die im Nordkiez leben, erbittert Widerstand leisten. Die Konsequenz für die Berliner Politik: Der Kiez wird zum Gefahrengebiet erklärt. Seitdem finden wahllose Personenkontrollen statt, die jederzeit alle treffen können. Den vorläufigen Höhepunkt stellte bisher der Abend des 28.11.15 dar, in der in einer massenhaften Kontrolle 91 Personen kontrolliert, schikaniert, geschlagen und mehrere Personen verhaftet wurden.

Liebig 14: Never Rest in Peace!

Rückblick: Berlin-Friedrichshain im Februar 2011: Am 02.02. räumte eine Armada von über 2500 Bullen aus dem gesamten Bundesgebiet das Wohn- und Kulturprojekt Liebig 14. 25 Menschen wurden auf die Straße gesetzt und erneut ein Raum des solidarischen Zusammenlebens und des kollektiven Widerstandes zerstört. Die internationalen Proteste gegen die Räumung des 1990 besetzten Projektes und die damit verbundenen direkten Aktionen zeigten, wie wichtig den Menschen ihr Raum und die damit verbundene Utopie eines herrschaftsfreien Lebens waren und sind, denn vergessen ist die Liebig 14 bis heute nicht!

Konnte die Räumung der Liebig 14 zwar nicht verhindert werden, so steht sie dennoch exemplarisch für den vielfältigen Widerstand gegen die Stadtentwicklung in Berlin. Eben diese Stadtentwicklung, die auch den Friedrichshainer Nordkiez angreift und zu einem weiteren Abklatsch der hippen Simon-Dach-Straße verkommen lassen will. Es zeigt sich die Fratze der Gentrifizierung bereits spürbar und es vergeht kein Tag ohne Luxussanierung, Aufwertung und der damit verbundenen systematischen Vertreibung von allen, die nicht ins hippe, reiche und neue Berlin passen und / oder nicht passen wollen. Hinzu kommen staatliche Massnahmen wie die Ausrufung bestimmter Stadtteile zu Gefahrengebieten, die auch als Ausdruck der Angst der Herrschenden vor Kontrollverlust zu verstehen sind.

Mediale Hetze und Extremismustheorien

Über Jahre hinweg wird ein komplettes Viertel unter Generalverdacht gestellt. Würde man der Berichterstattung von RBB, BZ und Tagesspiegel Glauben schenken, so entstände ein Bild von einem Viertel, in dem Mord und Totschlag an der Tagesordnung wären. Selbstdarsteller wie der SPD Innenpolitiker Tom Schreiber sind die treibenden Kräfte hinter dieser medialen Schmutzkampagne gegen alles, was den Extremist*innen der gesellschaftlichen Mitte nicht passt. Diese gesellschaftliche Mitte, die unter anderem zu den Taten des Nationalsozialistischen Untergrunds schweigt und aus jeder brennenden Mülltonne einen Akt des Terrors macht. So wird die Rigaerstraße mal eben mit National Befreiten Zonen verglichen und der legitime Widerstand gegen Luxussanierungen und systematische Vetreibung mit dem faschistisch motivierten Brandanschlag auf die bezugsfertige Flüchtlingsunterkunft in Tröglitz auf eine Stufe gestellt. Die Systematik dahinter: jeder Funke progressiven Widerstands, der sich gegen die herrschende Doktrin wendet, wird mit dem Treiben neonazistischer Mörderbanden gleichgesetzt. Was unter dem Strich dabei rauskommt: Alles Terror!

The Show must go on!

Für Menschen wie Frank Henkel, Tom Schreiber und Gunnar Schupelius ist der Nordkiez ein Ort welcher komplett befriedet bzw. ein Problem, was vollkommen beseitig werden soll. Für uns als Menschen, die hier leben, wohnen und arbeiten ist der Nordkiez vor allem eins: Ein widerständiger Ort mit einer langen Geschichte und den verschiedensten Lebensentwürfen, die auf Kollektivität und Solidarität basieren. Genau diese Lebensentwürfe gilt es zu verteidigen, denn das Leben, was wir hier im umkämpften Nordkiez führen ist (auch) Ausdruck unserer Leidenschaft zur Freiheit und der Versuch eines schöneren Lebens entgegegen dem des kapitalistischen Normalvollzugs. Daran wird weder die andauernde Hetzkampagne des neuen wanna-be Innensenators Tom Schreiber, noch das ausgerufene Gefahrengebiet und der damit verbundene Bullenterror etwas ändern!

Wie wir uns die Demo vorstellen: Wir wollen am 6.2. mit einer kraftvollen, lautstarken und entschlossenen Demo auf die Straße gehen, aber auch Anknüpfungspunkte für Menschen bieten, die sich nicht der „Szene“ zuordnen. Wir wollen nicht dieselben Fehler machen, die in den letzten Jahren bei Berliner Demos gemacht wurden. Damit meinen wir, dass es aus unserer Sicht wenig Sinn macht, einen verbalradikalen Aufruf nach dem anderen zu veröffentlichen und somit Sachen suggeriert werden, die real nicht umsetzbar sind. Dennoch wissen wir um den politischen Kompromiss , den wir mit einer angemeldeten Demo eingehen, der uns alles andere als leicht fiel. Aber auch wir müssen uns an den Situationen und Szenarien orientieren, die umsetzbar sind .

Die politischen Projekte des Friedrichshainer Nordkiezes rufen all diejenigen zur Solidarität auf, die den Nordkiez bunt, wild, laut, unbequem und widerständig erhalten wollen! Zusammen mit euch wollen wir in Zeiten der Aufwertung und Verdrängung für solidarische Kieze demonstrieren. Wir wollen die vielfältigen Kämpfe in Berlin, die um jeden Zentimeter geführt werden, als einen gemeinsamen Kampf verstehen. Sei es die Friedel 54, die gerade um ihren Kiezladen kämpft, die Liebig 34, deren Verträge Ende 2018 auslaufen, die Rigaer 94, die sich mit einen neuen „Eigentümer“ auseinandersetzen muss, der Köpi Wagenplatz, der erneut versteigert , – oder das M99, das nach fast 30 Jahren dicht gemacht werden soll: Wir Bleiben Alle!

16:00 Uhr Auftaktkundgebung vor dem Wagenplatz Rummelplatz ( Gürtelstr. 26 )

17:00 Uhr ( pünktlich !!! ) Demo!