Erdoğan vertreiben, Liebig34 verteidigen!

https://de.indymedia.org/node/23780

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan kommt am 28.09 und 29.08. als offizieller Staatsgast nach Berlin, um sich mit der deutschen Bundesregierung zu treffen. Hierzu wird eine breite Protestbewegung mobilisiert. Auch wir als Anarcha-queer-feminist*innen begreifen uns als Teil dieser Bewegung. Wir verurteilen Erdoğans Werte und Politik. Wir begreifen diese auf verschiedenen Ebenen als Angriff auf emanzipatorische, antipatriarchale, ökologische und demokratische Werte. Wir verurteilen die deutsche Bundesregierung einen Diktator willkommen zu heißen und sich darüber hinaus -unter der Prämisse der Verbesserung der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen- zu seiner Handlangerin zu machen. Der Erfahrung nach können wir durch das Treffen mit nicht mehr als einer Ausweitung der Repression gegenüber in Deutschland lebenden kurdischen, türkischen Oppositionellen und solidarischen Menschen sowie mit weiteren Waffendeals rechnen.

Erdoğans Innen- und Außenpolitik

Seit die AKP 2002 an die Macht kam, hat sich die Türkei verändert. Sie wurde jeden Tag konservativer und repressiver. Recep Tayyip Erdoğan stellte die Religion wieder an erste Stelle und regiert die Türkei inzwischen als Autokrat nach der Devise „Teile und Herrsche“. Er gaukelt ein Bild vom türkischen Nationalstaat vor, mit einer türkischen Nation und ein Bild vom binären Geschlechterbild, mit einer „natürlich“ gegebenen klassischen Rollenverteilung. (15)

Die Situation von allen, die nicht in das Bild von Erdoğan passen, hat sich seit dem Putschversuch 2016, der Verhängung des Ausnahmezustandes und der Ausweitung von Erdoğans Macht drastisch verschlechtert. Es kam immer wieder zu Massenverhaftungswellen und zur Ermordung von Menschen innerhalb und außerhalb der Türkei durch den türkischen Staatsapparat. Die sich verschärfende Repression und Verfolgung traf und trifft insbesondere politisch Oppositionelle, Angehörige von Minderheiten sowie queere Menschen: So wird die jährlich in Istanbul stattfindende Trans-Pride und die LGBTIQ-Pride-Parade seit 2016 versucht durch die Behörden zu unterbinden (3), genauso wie andere LGBTIQ-Veranstaltungen (5). Gleichermaßen wird bis heute fast jedes Jahr und in allen Städten das kurdische Neujahrsfest Newroz untersagt (21). Zwischen Juli 2015 und Februar 2018 wurden 11.631 Mitglieder der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP festgenommen. Das ist ein Drittel aller Mitglieder der Partei (17).

Erdoğan plädiert für die Wiedereinführung der Todesstrafe und für ein Abtreibungsverbot (15). Er provoziert gesellschaftlich einen faschistoiden Trend. Wer nicht gläubig ist, anders denkt oder anders lebt, hat es mittlerweile schwer in der Türkei. Trans-Menschen berichten von einer alltäglich spürbaren Transfeindlichkeit(4). Es werden mehr und mehr Mordfälle registriert wie beispielsweise der Mord in Istanbul an der Transfrau, Sexarbeiterin und LGBTIQ-Aktivistin Hande Kader (1) und der an dem schwulen syrischen Geflüchteten Muhammed Wisam Sankari (2). Die Nichtregierungsorganisation „Transgender Europe“ zählt in dem Land die höchste Zahl an ermordeten Trans-Menschen in Europa. Zwischen 2008 und 2015 wurden in der Türkei 41 Menschen umgebracht, die transgender oder genderdivers sind. (1)

Kurd*innen erleben einen alltäglich spürbaren Rassismus. So muss noch immer jedes Kind bei der Geburt einen türkischen Namen annehmen (6) und Unternehmen untersagen ihren Mitarbeitenden sich auf kurdisch zu unterhalten (22). Als im Oktober 2015 das türkische Militär Bakur (Nordkurdistan, Südosttürkei) überfiel, gab es keinen Aufschrei in der Türkei. Das Militär zerstörte dort ganze Städte wie Sur, Silopi, Nusaybin oder Cizre, nahm die Bürgermeister*innen fest und stellte die Städte unter Zwangsverwaltung. Allein in Cizre kamen bei den Angriffen und der Belagerung 179 Menschen ums Leben. Begründet wurde dieser Krieg mit der Elimination von Mitgliedern der kurdischen Arbeiterpartei PKK, die den Kampf um Selbstbestimmung für alle Identitäten fordert. (18, 19)

Im Januar 2018 befehligte Erdoğan dann unter dem Namen ‚Operation Olivenzweig‘ den völkerrechtswidrigen Einmarsch der türkischen Armee im syrisch-kurdischen Kanton Afrin in Rojava. Daran beteiligten sich islamistische Banden, welche Erdoğan bereits in den Vorjahren mit Waffen ausgestattet hatte, um seinen ideologischen Feind, die kurdische Freiheitsbewegung, in Rojava militärisch zu vernichten (24). Mit dem gleichen Ziel kam es vergangene Woche zu türkischen Luftangriffen auf die Şengal-Region in Südkurdistan. (31)

In Rojava und im Şengal findet eine Revolution statt, die Erdoğans Ideal entgegen steht und er versucht durch seine Expansionspolitik zu unterdrücken. Die Revolution gestaltet sich antistaatlich, antikapitalistisch, ökologisch und antipatriarchal. In Rojava werden jeden Tag und in jedem Bereich des Lebens Kämpfe geführt, um die lange verlorene Freiheit zurück zu erlangen, den tief verwurzelten gesellschaftlichen Sexismus abzubauen und patriarchales Gedankengut durch eine gesellschaftliche Wissenschaft zu ersetzen. So wird die Geschichte von feministischen Widerständen und Freiheitskämpfen im Laufe der Menschheit ans Licht gebracht und in ihre heutige Praxis eingebettet. Durch die militärische Eroberung Afrins durch den türkischen Staat wurden die emanzipatorischen Errungenschaften von Selbstbestimmung und Selbstverwaltung gegen den Zwang der Unterwerfung unter den Mann* und die Religion durchgesetzt.

Die Politik der deutschen Bundesregierung

Die Motivation des Besuches Erdoğans ist die Stärkung der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei. Deshalb scheut die Bundesregierung auch nicht davor zurück ihm Finanzhilfe für die Türkei zum Überwinden der aktuellen Finanzkrise anzubieten. (25) Zum einen stellt die Türkei für Deutschland einen wichtigen Partner in der eigenen Abschottungspolitik gegenüber Menschen auf der Flucht dar (umgesetzt durch den sogenannten „Flüchtlingsdeal“). Zum anderen ist sie einer der relevantesten Abnehmer deutscher Rüstungsgüter. (27) Trotz des türkischen Angriffskrieges auf Afrin erteilte die Bundesregierung im Jahr 2018 bereits 39 Ausfuhrgenehmigungen für Rüstungsgüter in Höhe von 10,1 Millionen Euro an die Türkei. Die exportierten Leopard2 Panzer wurden unter anderem durch die türkischen Truppen in Afrin verwendet. Sie werden durch die Rüstungsfirmen Rheinmetall und KMW produziert.(26)

Es ist davon auszugehen, dass -unter der Prämisse der Verbesserung der Beziehungen- bei dem Treffen über die Ausweitung der Repression gegenüber in Deutschland lebenden kurdischen und türkischen Oppositionellen gesprochen wird. Der Erfahrung nach häuften sich immer vor und nach jedem Treffen zwischen Merkel und Erdoğan Razzien und Festnahmen gegenüber vermeintlichen Aktivist*innen von TKP, DHKP-C, PKK und anderen Gruppen. Die strafrechtliche Legitimation hierzu liefert der interpretierbare §129b „Mitglied einer terroristischen Vereinigung im Ausland“. (13) Damit einher geht ein variables Fahnenverbot. Je nach Bundesland und Veranstaltung werden Fahnen mit Abbildern von Abdullah Öcalan, den vom türkischen Geheimdienst ermordeten kurdischen Widerstandskämpfer*innen Sakine Cansız, Fidan Doğan und Leyla Şaylemez (11) sowie den Verteidigungseinheiten YPG und YPJ verboten. Die Verbote dienen auch als Grundlage für Hausdurchsuchungen und Festnahmen: Erst vergangene Woche (14.8.), gab es Razzien in München,bei denen zwei kurdischen Aktivist*innen, die mit dem Zeigen von Flaggen begründet wurden. (16) Darüber hinaus ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft Hamburg gegen die Ko-Vorsitzende der Hamburger Fraktion DIE LINKE, Cansu Özdemir, weil sie auf Twitter ein Foto geteilt hat, auf dem u.a. eine Fahne der PKK zu sehen ist. (29) Auch kurdische Vereine und Verlage wurden durchsucht, wobei u.a. Kurdischbücher beschlagnahmt wurden (14). Des Weiteren gab es Razzien in Einrichtungen und Wohnräumen deutscher Linker, welche sich mit der kurdischen Befreiungsbewegung solidarisieren oder gegen Waffenexporte an die Türkei engagierten. (12)

Derzeit sitzen in Deutschland allein wegen des Vorwurfs Mitgliedschaft und Unterstützung der PKK 9 kurdische Gefangene in Straf- oder Untersuchungshaft (13). Gegen sie wurden Gefängnisstrafen zwischen zwei und dreieinhalb Jahren verhängt. Die konkreten Tatvorwürfe sind Teilnahme an und Organisation von angemeldeten Demonstrationen, Sammeln von Spendengeldern für Menschen auf der Flucht und ähnliches. (30) Dieses Jahr wurde auch in Deutschland durch die Polizei versucht Newroz in Hannover zu verbieten, wegen vermeintlicher PKK-nähe. (20, 23)

Für die Ausweitung der Repression ist auch der Ausbau der Geheimdienstbeziehungen unabdingbar. Bereits jetzt wird davon ausgegangen, dass etwa 6000 MIT-Agent*innen in Deutschland aktiv für den türkischen Staat spionieren (7). Wie im Mordfall von Paris vom 9.Januar 2013 (11), schreckt der MIT auch in Deutschland nicht davor zurück politisch Oppositionelle auszuschalten. So wurden vergangenes Jahr zwei Fälle von MIT-Geheimdienstagenten bekannt: Mehmet Fatih S. spionierte in Bremen als Journalist getarnt den kurdischen KCDK-E Ko-Vorsitzenden Yüksel Koç aus und plante einen Mordkomplott gegen ihn. Mustafa K. war in kurdischen Vereinsstrukturen in Hamburg aktiv und spionierte für Mordpläne an der ehemaligen kurdischen BDP-Abgeordneten und Frauenbeauftragten Sevahir Bayindir. (9) In beiden Fällen wurden die MIT-Aktivitäten und -Mordaufträge durch die kurdischen Strukturen enttarnt und an die deutschen Sicherheitsbehörden übermittelt. Doch in beiden Fällen wertete die Generalbundesanwaltschaft die Mordversuche als kurdisch-türkischen Konflikt und erhob keine Anklage wegen versuchtem Mord. (8)

All diese Vorfälle sind nichts neues und exemplarisch für das, was in Deutschland schon seit Jahrzehnten passiert. Die Praxis des deutschen Staates unterscheidet sich kaum von der des türkischen, sie ist nur weniger offensichtlich. Die Bundesregierung führt Erdoğans Politik in Deutschland fort. Tadelnde Worte Merkels gegenüber Erdoğan wirken in diesem Zusammenhang geradezu höhnisch. Die Bundesregierung und ihr nahestehende Medien sind darum bemüht, ein Bild von ihr zu zeichnen, welches das Unterdrücken und Morden durch den türkischen Staat verurteilt und eine klare Position gegenüber Erdoğan bezieht. So wird versucht ihr offensichtliches Zutun zu Erdoğans Politik zu verschleiern. Gleichzeitig wird der anklagende Blick in Richtung Türkei gerichtet und die eigene Überwachungs- und Unterdrückungspraxis gegenüber antistaatlichen, antikapitalistischen und antipatriarchalen Strukturen in Deutschland nicht thematisiert. Faschismus, Rassismus und Sexismus setzen sich in Deutschland gesellschaftlich und staatlich fort.

Deshalb darf sich unsere Kritik nicht nur an Erdoğan richten, sondern auch an Merkel, Seehofer und Konsorten. Wir vertrauen nicht auf die Politik der Herrschenden und erachten es als unsere Pflicht, uns klar gegen ihre Politik zu positionieren. Wir wünschen uns eine vielfältige, herrschaftsfreie, solidarische und ökologische Gesellschaft, ohne Kriegstreiberei, Mord und Unterdrückung. Wir solidarisieren uns mit antipatriarchalen Kämpfen weltweit. Wir verurteilen die Repression und Kriminalisierung von emanzipatorischen Bewegungen – sei es in der Türkei, in Deutschland oder anderswo. Die Revolution in Rojava stellt für uns einen wichtigen Bezugspunkt für eine gelebte Utopie dar.

Wir werden ein klares Zeichen setzen, dass wir mit den Zuständen nicht einverstanden sind. Der Diversität an Ausdrucksformen zur Unmutsbekundung sind dabei keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist die klare Nachricht zu transportieren: Es reicht! Wir rufen zu einem kreativen und widerständigen Tag X auf! Kommt zur Demo um 12 Uhr am Alexanderplatz und zur Demo um 18 Uhr am Wismarplatz. Lasst uns gemeinsam auf den Demos und außerhalb Raum erkämpfen unsere Wut zu zeigen!

Jin, Jiyan, Azadî!

Erdoğan NOT WELCOME!

https://erdogannotwelcome.wordpress.com/

LIEBIG34 BLEIBT!

Samstag 29.09. | 18:00 Uhr | Wismarplatz Friedrichshain | Berlin |

Quellen:

1 https://tgeu.org/transgender-europe-strongly-condemns-the-murder-of-trans-woman-and-activist-hande-kader/

2 https://lgbtinewsturkey.com/2016/08/03/syrian-gay-refugee-killed-in-istanbul/

3 https://lgbtinewsturkey.com/2016/06/27/we-dispersed-on-every-street-for-the-14th-istanbul-lgbti-pride-march/

4 https://ze.tt/du-fuehlst-jeden-tag-stress-und-anspannung-so-geht-es-jungen-queeren-in-der-tuerkei/

5 https://ze.tt/tuerkei-verbietet-lgbt-filmfestival-in-ankara/

6 https://ze.tt/die-kinder-mit-den-verbotenen-namen/

7 https://www.heise.de/tp/features/Tuerkischer-Geheimdienst-Paris-Ein-Agent-stirbt-im-Gefaengnis-3581637.html

8 http://civaka-azad.org/vom-deutschen-umgang-mit-tuerkischer-agententaetigkeit-gegen-kurdische-aktivisten/

9 http://civaka-azad.org/vom-deutschen-umgang-mit-tuerkischer-agententaetigkeit-gegen-kurdische-aktivisten/

10 http://civaka-azad.org/weiterer-tuerkischer-agent-in-deutschland-aufgeflogen-bedrohungslage-fuer-kurdische-aktivisten-bleibt-hoch/

11 https://www.nadir.org/nadir/initiativ/isku/hintergrund/sakinefidanleyla/index.htm

12 https://nadir.org/nadir/initiativ/azadi/presse/2018/180726.html

13 https://anfdeutsch.com/hintergrund/yildiz-aktas-in-berlin-inhaftiert-4237

14 https://nadir.org/nadir/initiativ/azadi/presse/2018/180310.html

15 https://derstandard.at/1339638541554/Erfolgreicher-Widerstand-Abtreibungsrecht-in-Tuerkei-bleibt-wie-es-ist

16 https://www.neues-deutschland.de/artikel/1097419.kurdische-befreiungsbewegung-legale-ypg-fahne-fuehrt-zu-hausdurchsuchung.html

17 https://anfdeutsch.com/aktuelles/fast-ein-drittel-aller-hdp-mitglieder-festgenommen-3073

18 https://www.sueddeutsche.de/politik/kurden-konflikt-frieden-in-der-tuerkei-wird-es-nur-mit-oecalan-geben-1.3851295

19 https://www.heise.de/tp/features/Tuerkei-Militaerischer-Angriff-auf-Nusaybin-3224744.html

20 https://anfdeutsch.com/rojava-syrien/allen-verboten-zum-trotz-wir-werden-newroz-feiern-2945

21 http://www.taz.de/!5284830/

22 https://www1.wdr.de/nachrichten/tuerkei-unzensiert/burhan-ekinci-den-kurden-ist-kurdisch-untersagt-de-102.html

23 https://revoltmag.org/articles/newroz-2018-die-repression-geht-uns-alle/

24 https://anfdeutsch.com/kurdistan/zusammenarbeit-von-tuerkei-is-und-al-nusra-zugegeben-1820

25 https://www.welt.de/politik/deutschland/article181245844/Erdogan-in-der-Krise-Keine-Tuerkei-Hilfen-Ein-Wort-der-Bundesregierung-laesst-aufhorchen.html

26 http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/deutsche-ruestungsexporte-an-tuerkei-und-saudi-arabien-fast-gestoppt-15748052.html

27 https://www.heise.de/tp/features/Tuerkei-Der-Absturz-der-Lira-wird-zum-Problem-fuer-Erdogan-4117846.html?seite=all

28 https://www.zeit.de/politik/2017-02/angela-merkel-tuerkei-recep-tayyip-erdogan-fluechtlingsdeal-ermahnt

29 https://anfdeutsch.com/aktuelles/erneutes-ermittlungsverfahren-gegen-cansu-Oezdemir-2941

30 http://civaka-azad.org/politischer-vernichtungsfeldzug-gegen-kurden-in-deutschland/

31 https://anfdeutsch.com/kurdistan/Sengal-tuerkischer-luftangriff-auf-zivilfahrzeug-6131

Erdoğan: Ein homophober Diktator

Erdoğan: Ein homophober Dikator -Hintergrundartikel und Aufruf des anarcha-queer-feminitischen Hausprojekts „Liebig34“

https://erdogannotwelcome.wordpress.com/2018/08/29/erdogan-ein-homophober-diktator/

Das Weltbild Erdoğans speist sich aus islamistischen und nationalchauvinistischen Vorstellungen. Neben der Unterdrückung kultureller und religiöser Minderheiten in der Türkei und der patriarchalen, frauenfeindlichen Politik des Regimes, bedeutet das auch die Ablehnung von sexueller Selbstbestimmung und die Verfolgung von Menschen, die nicht in die dominierenden rechten, heteronormativen Vorstellungen von Sexualität passen. „Homosexualität“, so Erdoğan, „widerspricht dem Islam“. Dass es muslimische LSBTIQ gibt, die keinen Widerspruch zwischen ihrem Glaube und ihrer Sexualität sehen, interessiert den Diktator dabei natürlich herzlich wenig.

LSBTIQ[1] sind in der Türkei Erdoğans zunehmend Hassverbrechen und staatlicher Zensur und Verfolgung bis hin zu Inhaftierung, Folter und Mord ausgesetzt. Während 2014 noch ca. 100.000 Menschen beim CSD in Istanbul für ihre und die Rechte ihrer Freund*innen auf die Straße gehen konnten, wurde die Parade für LSBTIQ-Rechte 2015 verboten und von der Polizei brutal niedergeschlagen. Das gleiche Szenario sollte sich in den folgenden Jahren wiederholen, zahlreiche Aktivist*innen wurden festgenommen, teilweise inhaftiert und gefoltert. Seit November 2017 schließlich sind in der ganzen Türkei „kulturelle Veranstaltungen von LSBTIQ-Nichtregierungsorganisationen“ auf unbestimmte Zeit komplett verboten. Im Klartext heißt das: In der neuen Türkei Erdoğans herrscht ein faktisches Verbot aller LSBITQ-Veranstaltungen.

Hatte es bis vor wenigen Jahren noch eine zunehmend aktive politische LSBTIQ Szene mit zahlreichen Organisationen gegeben, ist heute kaum noch eine Organisation aktiv. Mehr und mehr Aktivst*innen, die sich für ihre Rechte als LSBTIQ einsetzen, müssen ins Exil gehen, um Verfolgung und Verhaftung zu entgehen.

Trotzdem gingen auch dieses Jahr mehrere hundert Menschen zum verbotenen CSD in Istanbul auf die Straße, wurden jedoch wieder von der türkischen Polizei brutal angegriffen.

Zeigen wir Erdoğan und seinen Verbündeten in der deutschen Regierung und Wirtschaft, was wir von seiner homophoben, hasserfüllten Politik halten! Lassen wir unsere Freund*innen und Geschwister in der Türkei und im Exil nicht allein und gehen am 28. und 29.09. beim Staatsbesuch des Diktators in Berlin alle zusammen auf die Straße und sagen: Erdogan ist uns nicht willkommen!

P.S.: Und nachdem wir erfolgreich den Besuch des Diktators verhindert haben, könnt ihr dann noch zur Demo für den Erhalt des anarcha-queer-feministischen Hausprojekt Liebig 34 um 18:00 am Wismarplatz in Friedrichshain kommen!

[1]LSBTIQ steht für „lesbisch, schwul, bi, trans, inter, queer“. Unter dieser Abkürzung sollen sich möglichst alle Menschen wiederfinden können, die nicht der Ideologie von zwei biologisch und sozial fixen Geschlechtern und von Heterosexualität als Norm entsprechen wollen oder/ und können.

Liebig 34 Verteidigen DEMO

–----------------German version below-------------------------

LIEBIG34 MUST STAY!

The Liebig34 is a self-organized, anarcha-queer-feminist house project in Berlin-Friedrichshain. The house was occupied in 1990 and later legalized. This contract expires in December 2018 and and we are not being given an extension: the owner, Gijora Padovicz, wants to clear the house, renovate it and rent it out again for maximum profit. Padovicz is known in Berlin for systematically buying up, clearing and destroying houses and residential projects.
We cannot and will not allow another house to be taken from us. In times
of progressive capitalist exploitation of living spaces, a practice needs to oppose this logic. In times of AfD, CDU/CSU and Pegida such feminist spaces and organization are needed to counter the noticeable shift to the right in society. Places are needed where people with diverse backgrounds and gender identities can live collectively and without cis-men -irrespective of their origin, social class, financial means or residence status. Places where power structures and privileges are reflected upon are needed to make them surmountable. Everyday organization which instead of relying on state structures makes them superfluous and attacks them are needed now more than ever.
We are standing in the way of neighborhood development and will not make room for luxury buildings. We need places of feminist self-organization and political resistance. We will fight for the Liebig34!

Come to the demo on 29.09.2018 at 6pm and show that the Liebig34 concerns us all!

Keep resisting to patriarchy, gentrification, the state and capitalism!
Fight for Liebig34!
http://liebig34.blogsport.de/
https://twitter.com/hashtag/liebig34
Saturday 29.09. | 18:00 Uhr | Wismarplatz Friedrichshain | Berlin |
 
We express our solidarity with many other projects currently under acute threat. Your fight for freedom and self-determination is our fight! Across Germany, more than 25 projects are in inmminent danger of eviction. These are in Berlin the bar collective Meuterei, das SJZ Drugstore, Potse, Rigaer 94 and more. In addition, the future of the Hambach Forest, the Black Triangle and Rhizomia wagenplatz in Leipzig, the Hasi in Halle, the AZ Köln, the Havanna Acht in Marburg, the Mainusch house in Mainz and (unfortunately) many more is uncertain. More information about these and more projects can be found here:
https://freitraeume.blackblogs.org/
 
In addition, the dictator Recep Tayyip Erdogan will visit Berlin on 28 and 29 September. We call upon you to take our protest against him and his fascist policies out on the streets, as well as our protest against the policies of the German Federal Government.
Saturday 29.09. | 12:00 Uhr | Neptunbrunnen | Alexanderplatz | Berlin |
 
Our mission for the 29th of September (and every other day) is: To chase away Erdoğan and to defend Liebig34!
---------------------------------------------------------------
LIEBIG34 BLEIBT!
Die Liebig34 ist ein selbstverwaltetes, anarcha-queer-feministisches Hausprojekt in Berlin-Friedrichshain. Das Haus wurde 1990 besetzt und später mit einem Pachtvertrag legalisiert. Dieser Vertrag läuft im Dezember 2018 aus, eine Verlängerung ist nicht in Sicht. Der Hauseigentümer Gijora Padovicz möchte das Haus räumen, luxussanieren und mit maximalem Profit neu vermieten. Padovicz ist in Berlin bekannt für das systematische Aufkaufen, Räumen und Zerstören von Häusern und Wohnprojekten.
Wir können und wollen nicht zulassen, dass uns ein weiteres Haus genommen wird. In Zeiten einer fortschreitenden kapitalistischen Verwertung von Mensch und Wohnraum braucht es eine Praxis sich dieser Logik zu widersetzen. In Zeiten von AfD, CDU/CSU und Pegida braucht es feministische Räume und Organisierung, um dem spürbaren Rechtsruck durch die Gesellschaft etwas entgegen zu setzen. Es braucht Orte, an denen Menschen mit diversen Hintergründen und Gender-Identiäten kollektiv und ohne cis-Männer leben können- unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer gesellschaftlichen Klasse, ihren finanziellen Mitteln oder ihrem Aufenthaltsstatus. Es braucht Orte, an denen Machtstrukturen und Privilegien reflektiert werden, um sie überwindbar zu machen. Es braucht eine Organisierung im Alltag, die statt auf staatliche Strukturen zu vertrauen, diese überflüssig macht und sie angreift.
Wir stellen uns der Aufwertung des Kiezes in den Weg und werden keinen Platz für Luxusbauten machen. Wir brauchen Orte der feministischen Selbstverwaltung und des politischen Widerstandes. Wir werden um die Liebig34 kämpfen!
Kommt am 29.09.2018 um 18 Uhr zur Demo und zeigt, dass die Liebig34 uns alle etwas angeht!
Bleibt widerständig gegen Patriarchat, Gentrifizierung, Staat und Kapitalismus!
Liebig34 verteidigen!
http://liebig34.blogsport.de/
https://twitter.com/hashtag/liebig34
Saturday 29.09. | 18:00 Uhr | Wismarplatz Friedrichshain | Berlin |
 

Kundgebung against Rape Culture, Sunday 26 august / 2pm Liebigstr. 34

2.00pm – Introduction
2.30pm – Statements
3.30pm – Awareness Workshop//Self-defense Workshop
5.30pm – Accountability Workshop//Wendo Workshop
8.00pm – Küfa
9.00pm – Cinema ‚Gulabi Gang‘

Queer Feminist Soliparty for Liebig 34, 1.9 Raumerweiterungshalle